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Kosegarten
und der Bumerangeffekt

Vor
über zweihundert Jahren predigte der Altenkirchener Pastor Ludwig
Gotthard Kosegarten (1758-1818) am Ufer von Vitt:"Hier ist gut seyn!".
Durch einen Vergleich mit der übrigen Welt wollte er das Gefühl
vermitteln, daß es sich andernorts nicht besser lebt, als hier,
im Norden von Rügen.
"Der erste Vorzug unsrer Heimat...", so Kosegarten am Ende
des 18. Jahrhunderts, "...ist nach meinem Gefühle deren Abgeschiedenheit
und Stille. Eben dies, was so manche verwöhnten Gaumen ein Mangel
und eine Beraubung dünken mag; eben dies, dass wir vom Geräusche
der Welt getrennt, dass wir von den größern menschlichen Vergesellschaftungen
durch Ströme und Gewässer abgesondert wurden, dass wir im stillen
Schoße der Natur uns selbst, und unsern Pflichten und unsrer Bestimmung
ohne Zwang und Störung leben können, eben dies däucht mir
einer der schützbarsten Vorzüge, und eine der dankenswerthesten
Annehmlichkeiten unsrer Lage."
Viele sehnten sich in der Ferne nach dem, was Kosegarten pries. Auch sie
wollten daran teilhaben. So entstand der Bumerangeffekt: Der Verkündung von Schönheit
und Einsamkeit folgten die vielen Fremden, die diese Naturlandschaft erleben
wollten. Das ist bis heute so geblieben, aber glücklicherweise auf
Wittow bislang nicht in einer Ausdehnung geschehen, die andernorts Probleme
bereitet.
Noch
immer kann man entlang der Ufer des Windlandes, wie die Halbinsel
Wittow auch genannt wird, Entspannung finden und sich an der Herrlichkeit
der hiesigen Natur erfreuen. Für die nördlichste Halbinsel der Insel Rügen und die dortigen Lebensbedingungen trifft nach wie
vor das zu, was Kosegarten als zweiten Vorzug seiner Heimat nannte:
"Unser Klima behauptet eine glückliche Mitte zwischen unholder
Rauhigkeit und unverweichlichender Milde, zwischem lähmendem Frost
und erschlafender Hitze...". "Ein dritter Vorzug unseres Landes",
so Kosegarten, "ist die Ergiebigkeit unsers Bodens... Ein vierter Vorzug
unsrer Heimath ist die Nähe des Meeres."
Faszinierende Bilder von der Landschaft am Meer, die Kosegarten
mit ihren Vorzügen pries, könnt ihr in unserer Inselgalerie
genießen.
Kosegarten predigte übrigens nicht bis zu seinem Lebensende
am Ufer des Windlandes. Er wurde nach seiner Zeit als Pastor in Altenkirchen
zum Professor an der Universität in Greifswald ernannt.
Zwar verstarb er dort. Sein Grabstein befindet sich jedoch wunschgemäß
neben dem Eingang in die Kirche von Altenkirchen.
Weiteres
zur Halbinsel Wittow findest Du unter den Namen
Kap Arkona und Fischerort Vitt,
Altenkirchen, Breege
- Juliusruh, Dranske, Putgarten,
Wiek und Schaabe.
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