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Kreideabbruch am Kap Arkona auf der Insel Rügen? News zu einer Medienente und der Wirklichkeit eines großen Steilküstenabrutsches!

Ostsee-News 5. Februar 2008 (ur). Damit Sie richtig orientiert über die Situation am Kap Arkona sind und nicht evtl. mit falschen Vorstellungen zum Urlaub auf die Insel Rügen reisen, machen wir Sie heute auf Medienenten aufmerksam, die es deutschlandweit in Zeitungen gab und heute immer noch im Internet gibt. Es stimmt einfach nicht, dass eine "etwa 40 Meter hohe, 20 Meter breite und 2 Meter starke Kreideschicht" am 19. Januar "südöstlich vom Kap Arkona bei Vitt" abgebrochen ist und auch der Strandabschnitt zwischen Vitt und dem Burgwall von Arkona wurde danach nicht gesperrt. Mehr dazu in den ausführlichen News weiter unten auf dieser Seite.

 

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© Fotos und Texte: Kreidefelsen GbR, Redaktion: Wolfgang Urban (ur)

5. Februar 2008 Medienente "Großer Kreideabbruch am Kap Arkona"

Arkona im Norden der Insel Rügen (ur): Am 20. Januar informierten wir Sie über einen Steilküstenabrutsch am Kap Arkona (Fotos: Steilküstenabrutsch am Kap Arkona). und am 26. Januar über eine Mitteilung des Amtes Nord-Rügen zur Sperrung des Strandbereiches unterhalb der slawischen Burgwallanlage von Arkona (News mit Karte zur Absperrung unterhalb der Burg von Arkona). Leider ist nicht nur die Wahrheit im Internet zu finden, sondern auch so manch eine Medienente. Fakt ist, dass es immer wieder an der Kreideküste der Insel Rügen zu kleinen oder auch großen Kreideabbrüchen kommt. Doch was in jüngster Vergangenheit als "Großer Kreideabbruch am Kap Arkona" durch zahlreiche Medien geisterte und noch immer als Kreideabbruch im Internet zu finden ist, entspricht nicht der Wirklichkeit. Es stimmt auch nicht, dass der Strandabschnitt zwischen Vitt und Arkona abgesperrt wurde.

Woran erkennen Sie die Medienente über den angeblich großen Kreideabbruch auf Rügen, wenn Sie durch die Weiten des Internets surfen und nach Informationen über das Kap Arkona oder Kreideabbrüche auf Rügen suchen?

In den Meldungen über einen Steilküstenabrutsch am 19. Januar 2008 wird zum Beispiel behauptet, dass es "südöstlich vom Kap Arkona bei Vitt" einen "Kreideabbruch" gegeben habe. Eine „etwa 40 Meter hohe, 20 Meter breite und 2 Meter starke Kreideschicht" sei abgebrochen.

Ganz zu schweigen davon, dass der Steilküstenabrutsch nicht „bei Vitt“, sondern unterhalb des slawischen Burgwalls von Kap Arkona geschah, handelt es sich auch nicht um einen Kreideabbruch.

Die Wirklichkeit sieht "grauer" und nicht "kreideweiß" aus.

Diplom-Geologe Karsten Schütze, Dezernatsleiter im Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie M-V spricht diesbezüglich vom „Abbruch pleistozäner Sedimente auf Arkona.“ Ergänzend erklärte er:

Die unterlagernden Kreideschichten sind nicht, wie irrtümlich mehrfach in der Presse gemeldet, bei diesem Abbruch involviert. Aufgrund einer Vermessung der Abbruchmassen am 30. Januar ist auch die Menge der Abbruchmassen zu korrigieren, und zwar von den derzeit kursierenden 1.600 m³ auf 25.000 m³. Weiterhin ist zu konstatieren, dass in den nächsten Wochen noch mehrfach Lockermaterial, welches bereits lose am Kliff liegt, nachbrechen wird und dann weiteres Material folgt bis sich wieder ein stabiler Zustand des Kliffs einstellt. Hiermit ist vor dem Frühjahr nicht zu rechnen. Die Abbrüche sind natürlich bedingt und werden auch in Zukunft auftreten.“

Kann man die Abbrüche bzw. Abrutsche am Burgwall von Arkona aufhalten oder zumindest verzögern?

Antwort Karsten Schütze:

„Mögliche Maßnahmen zum Schutz des kulturhistorischen Burgwalls und zur Verringerung der Wasserzuführung in Richtung Kliff wären beispielsweise die Abführung der Niederschlagswässer mittels einer Brunnengalerie nach SW ins Hinterland. Allerdings können damit die Abbrüche nicht generell verhindert werden. Im Bereich Arkona ist mit Küstenrückgangsraten zwischen 0,04 bis 0,61m pro Jahr zu rechnen. Extrapoliert man diese Werte in die Zukunft, so wird dieses Kulturdenkmal der Abrasion in ca. 200-300 Jahren gänzlich zum Opfer gefallen sein.“

Diplom-Geologe Karsten Schütze prognostiziert also, dass der slawische Burgwall am Kap Arkona erst in 200-300 Jahren gänzlich der Abrasion, also dem Landverlust an der Steilküste, zum Opfer gefallen sein wird. Dagegen war heute noch auf einer Internetseite die Medienente zu finden, dass am Kap Arkona „ein bedeutsames Bodendenkmal vernichtet worden“ sei. Auch die Medienente von der Sperrung des Küstenabschnittes zwischen „Vitt und dem Burgwall nahe Arkona“ war heute immer noch im Internet lebendig.

In Wirklichkeit wurde kein Bodendenkmal vernichtet, sondern lediglich ein vergleichsweise kleiner Teil des noch existierenden Innenbereiches der Burg am Kap Arkona rutschte am 19. Januar hinunter zum Meer. Der Strand zwischen dem Fischerdorf Vitt und dem Burgwall von Kap Arkona war zudem nach dem Steilküstenabrutsch am 19. Januar nie gesperrt, sondern immer nur der vergleichsweise kleine Strandabschnitt unterhalb der Burg von Kap Arkona.

Ein Urlaubsausflug nach Arkona ist also immer noch lohnenswert, inklusive der Strandwanderung von Vitt nach Arkona. Kurz vor der Absperrung des Strandabschnittes unterhalb des Burgwalles kann man von Vitt kommend die sogenannte Veilchentreppe vom Strand hinauf gehen und weiter am Burgwall vorbei zum Peilturm, den Leuchttürmen, dem Künstlerhaus und der Nebelsignalstation wandern. Empfehlenswert ist auch der weitere Weg bis zum sehenswerten Siebenschneiderstein. Gesperrt ist also nach wie vor nur der kleine Steilküstenabschnitt unterhalb des slawischen Burgwalls. Hier wurde aber auch schon vor dem jüngsten Steilküstenabrutsch mit einem Warnschild auf die Lebensgefahr aufmerksam gemacht, wenn man unter der Burg wandert. Bitte nehmen Sie auch andernorts entlang der Steilküsten an der Ostsee die Warnschilder und Absperrungen ernst. Es gibt auch jenseits der Gefahrenabschnitte herrliche Ausblicke und Wandermöglichkeiten.

Frage: Kann man den zur Zeit gesperrten Innenbereich der Burgwallanlage von Kap Arkona demnächst wieder betreten?

Gesperrt war der Innenbereich der einstigen Slawenburg schon vor dem jüngsten Steilküstenabrutsch, denn seit 2005 darf man das Innere der Wallanlage nur von Ostern bis zum 30. Oktober während der Öffnungszeiten des Kassenhäuschens am Eingang betreten.

Ursprünglich sollte der Zugang zum Innenbereich der Burgwallanlage von Arkona zu Ostern 2008 wieder geöffnet werden. Ob es dazu kommt, erfahren Sie morgen in unseren News für den Urlaub an der Ostsee, dann ist auch der folgende Link funktionstüchtig:

Öffnungszeiten des Innenbereiches der einstigen
Slawenburg am Kap Arkona im Norden der Insel Rügen

News von der Ostsee und der Ostseeküste
Informationen für den Urlaub an der Ostsee an: Mailadresse.

 

Mehr Infos zur Kreideküste der Insel Rügen finden Sie hier:
Der Königsstuhl an der Kreideküste von Rügen

 

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