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Vom Kernkraftwerk zum Steinkohlekraftwerk in Lubmin?

Über das Ende der Zeit des Kernkraftwerkes in Lubmin bei Greifswald waren u.a. auch viele im Tourismus sehr froh, denn ein KKW ist kein Werbeträger für naturverbundenen Tourismus. Doch kaum ist die Zeit des KKW vorbei, da kündigt sich nicht nur aus der Sicht von Tourismusunternehmen das nächste Problem an: Die Errichtung eines Steinkohlekraftwerkes in Lubmin.

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© Fotos und Texte: Kreidefelsen GbR, Redaktion: Wolfgang Urban (ur)

23. November 2007 Lubmin bei Greifswald an der Ostsee, Tourismus- und Klimasorgen: Vom Kernkraftwerk zum Steinkohlekraftwerk?

Lubmin bei Greifswald an der Ostsee (ur). Heute zeigen wir Ihnen ein Bild, von dem sich einige vielleicht am Anfang wundern werden, was es mit dem Urlaub an der Ostsee zu tun hat:

Lubmin Kernkraftwerk Reaktor

Das Foto kündet von dem Ende des Kernkraftwerkes in Lubmin bei Greifswald an der Ostsee und dessen Entsorgungsweg. Auf dem Bild ist das Reaktordruckgefäß des ehemaligen Block 2 zu sehen. Nach seinem Transport aus dem stillgelegten Kernkraftwerk Lubmin bei Greifswald wurde dieses Reaktordruckgefäß am Mittwoch von Mitarbeitern der Firma Mammoet in das benachbarte Zwischenlager Nord (ZLN) gebracht. Auf dem Gelände des Zwischenlagers wird das Reaktorgefäß, in dessen Innern die Kernspaltung vollzogen wurde, zunächst im Ganzen eingelagert. Das rund 200 Tonnen schwere und selbst strahlende Gefäß war Ende August 2007 demontiert und mit einem Abschirmzylinder ummantelt worden, wie die Energiewerke Nord (EWN) mitteilten. Der Reaktor des Blockes 1 war von 1974 bis 1990 und in Betrieb.

Über das Ende der Zeit des Kernkraftwerkes in Lubmin waren u.a. auch viele im Tourismus sehr froh, denn ein KKW ist kein Werbeträger für naturverbundenen Tourismus und auch kein herrlicher Blickfang, wenn man von Rügen in Richtung der Festlandküste von Lubmin und Greifswald schaut. Doch kaum ist die Zeit des KKW vorbei, da kündigt sich nicht nur aus der Sicht von Tourismusunternehmen das nächste Problem an: Die Errichtung eines Steinkohlekraftwerkes in Lubmin. Noch ist dessen Bau nicht genehmigt, aber es gibt heftig kontroverse Debatten zu diesem Thema. Als sich jüngst Bundeskanzlerin Angela Merkel eindeutig auf dem CDU-Landesparteitag in Binz auf Rügen für ein Steinkohlekraftwerk in Lubmin aussprach, reagierte der NABU Kreisverband Rügen am 20. November mit der folgenden Mitteilung an die Medien:


Nach uns die Sintflut…
Die Bundeskanzlerin und die Steinkohle

„Es ist nicht zu fassen: morgens in die Kirche und danach volle Kraft gegen die Schöpfung!“ erzürnt sich Marlies Preller vom NABU Rügen über die von Angela Merkel und der großen Mehrheit ihrer Parteianhänger auf dem Landesparteitag der CDU in Binz inszenierte Pro-Steinkohlekraftwerk-Show. „Während in Valencia in der Zusammenfassung des Weltklimaberichtes vom UN-Generalsekretär Ban Ki Moon die uns allen drohende Klimakatastrophe bei nicht sofortigem Gegensteuern beschrieben wurde, singt die Bundeskanzlerin in ihrem Wahlkreis ein Loblied auf die Steinkohleverbrennung in Lubmin - Nach uns die Sintflut. Amen.“

Der NABU Rügen kritisiert aufs schärfste die nicht mehr zu übertreffende Ignoranz gegenüber der apokalyptischen Bedrohung der Menschheit, aus politischem Kalkül und vor allem zum Wohlgefallen der ihren Einfluss voll ausspielenden Energiekonzerne.

Frau Merkel müsste es wissen: Deutschland ist in Europa haushoch führend im Ausstoß klimaschädigender Treibhausgase. In der Welt nimmt unser Land einen traurigen 6. Platz hinter den USA, China, Russland, Japan und Indien ein. Die Verbrennung vom fossilen Energieträger Kohle wird die Schadstoffbilanz in der Atmosphäre weiter verstärken.
Zentralafrikanische Dürreländer wurden in diesem Jahr von schlimmsten Überschwemmungen heimgesucht, in Lateinamerika und Bangladesch wüteten gerade vernichtende Wirbelstürme mit vermutlich weit über 1.000 Toten. Und das sind wahrscheinlich erst die Vorboten der Folgen menschlichen Tuns. Vor allem treffen sie die Ärmsten der Armen. Frau Merkel indes lässt sich in Heiligendamm und Fernost als „Klimakanzlerin“ feiern und hier kungelt sie mit der Energielobby, deren oberstes Ziel einzig und allein Gewinnmaximierung ist - als seien deren Macher nicht von diesem Stern.

Die schnelle und konsequente Nutzung alternativer Energieformen ist um des Überlebens willen unumgänglich. Neue Kernkraftwerke sind angesichts der Langzeitfolgen indiskutabel. Ein gigantischer Kernfusionsreaktor, der den weltweiten Energiebedarf stillen könnte, steht uns dagegen zum kostenlosen Gebrauch zur Verfügung. Zur nachhaltigen Nutzung der Sonnenenergie und anderen Alternativen ist aber vor allem ein zukunftsbewusster, parteienübergreifender politischer Willen, daraus resultierende gesetzliche Rahmenvorgaben, Innovation und Tatkraft von Nöten.

Was ist nun von der SPD zu erwarten? Die CDU von Mecklenburg-Vorpommern hat in Binz nur gezeigt, dass sie weder christlich (Bewahrung der Schöpfung zählt nicht) noch demokratisch (Meinung der an der Basis Betroffenen ignoriert) ist. Vielleicht sollte die Bundeskanzlerin einfach beim Bischof der Pommerschen Evangelischen Kirche, Dr. Hans-Jürgen Abromeit, in die Lehre gehen, der auf der Pommerschen Landessynode am Wochenende die ethische Verantwortung für den Erhalt unserer Lebensgrundlagen anmahnte und - auch im Zusammenhang mit Lubmin - den verantwortlichen Entscheidungsträgern ins Stammbuch schrieb: „…Versündigt euch nicht an Gott und den Menschen!“

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