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Hering und Dorsch in der Ostsee: Hering der westlichen Ostsee „vom Aussterben bedroht“ (?) und Dorschprojekt mit Dorscherbrütungsanlage
für den Besatz mit Setzlingen in der Mecklenburger Bucht.

Ostsee-News vom 19. September 2008 (ur). In unseren News vom 9. September diesen Jahres teilten wir mit, dass das Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz des Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern die Fangquoten-Vorschläge der Europäischen Kommission für Dorsch und Hering in der Ostsee kritisiert hat. Dabei wurden auch Angaben zur Bestandsentwicklung von Dorsch und Hering gemacht, die vor allem für all jene Urlauber interessant sein dürften, die gerne zum Hochseeangeln hinaus auf die Ostsee fahren. Bei einem Gespräch zwischen dem Minister für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz des Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern, Dr. Till Backhaus und EU-Fischereikommissar Joe Borg in dieser Woche soll Kommissar Borg auf die aus Sicht der Wissenschaftler dramatische Situation aufmerksam gemacht haben, weshalb der Hering der westlichen Ostsee mittlerweile als „vom Aussterben bedroht“ eingestuft worden sei. In dem Gespräch spielte auch das Dorschprojekt Mecklenburg-Vorpommerns eine Rolle, dessen Hauptbestandteil die Errichtung einer Dorscherbrütungsanlage ist. Mit ihr sollen einmal jährlich bis zu vier Millionen Setzlinge von rund fünf Gramm Gewicht für den Besatz der Mecklenburger Bucht erzeugt werden.

Wenn Sie mehr darüber erfahren wollen, dann lesen Sie die ausführliche Tages-News zum Dorsch und Hering in der westlichen Ostsee, die Sie weiter unten auf dieser Seite finden.

Infos zum Dorschangeln beim Urlaub an der Ostsee mit diesem Link:
Dorschangeln in der Ostsee vor der Küste der Insel Rügen

 

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© Fotos und Texte: Kreidefelsen GbR, Redaktion: Wolfgang Urban (ur)

19. September 2008 Dorsch und Hering in der westlichen Ostsee:
Hering der westlichen Ostsee mittlerweile „vom Aussterben bedroht“?
Dorscherbrütungsanlage, um jährlich bis zu vier Millionen Setzlinge
für den Besatz der Mecklenburger Bucht zu erzeugen?

Ostsee (ur): In unseren News vom 9. September diesen Jahres teilten wir mit, dass das Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz des Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern die Fangquoten-Vorschläge der Europäischen Kommission für Dorsch und Hering in der Ostsee kritisiert hat. Dabei wurden auch Angaben zur Bestandsentwicklung von Dorsch und Hering gemacht, die sich vor allem auch all jene Urlauber interessieren, die gerne zum Hochseeangeln hinaus auf die Ostsee fahren. Bei einem Gespräch zwischen Minister Backhaus und EU-Fischereikommissar Joe Borg in dieser Woche wurden auch die drastischen Vorschläge der Kommission bei der Kürzung der Heringsfangquote in der westlichen Ostsee angesprochen. Diesbezüglich soll , Kommissar Borg auf die aus Sicht der Wissenschaftler dramatische Situation aufmerksam gemacht haben, weshalb der Hering der westlichen Ostsee mittlerweile als „vom Aussterben bedroht“ eingestuft worden sei. In dem Gespräch spielte auch das Dorschprojekt Mecklenburg-Vorpommerns eine Rolle, dessen Hauptbestandteil die Errichtung einer Dorscherbrütungsanlage ist. Mit ihr sollen einmal jährlich bis zu vier Millionen Setzlinge von rund fünf Gramm Gewicht für den Besatz der Mecklenburger Bucht erzeugt werden.

Zu dem zweistündigen Gespräch zwischen Minister Backhaus und EU-Fischereikommissar Joe Borg in Brüssel teilte uns das Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz des Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern gestern mit:

Hauptzweck des Besuchs war, bei der Europäischen Kommission für das von Mecklenburg-Vorpommern angestrebte Dorschprojekt um Unterstützung zu bitten. Im Mittelpunkt stand aus aktuellem Anlass auch die kürzlich von der Kommission vorgeschlagene Kürzung der Fangquoten für Dorsch und Hering in der westlichen Ostsee. „Das Gespräch verlief in einer außerordentlich konstruktiven Atmosphäre. Der Fischereikommissar zeigte sich für das Dorschprojekt aufgeschlossen, erwartet aber eine Anpassung bei Anlagengröße, Besatzmenge und wissenschaftlichem Begleitprogramm“, berichtet Minister Dr. Backhaus. Hierüber werde man nun mit den Projektpartnern reden und entsprechende Vorschläge prüfen. Der Minister und der Kommissar waren sich darin einig, dass man angesichts sinkender Fischbestände und Fangquoten in der Gemeinsamen Fischereipolitik neue Wege gehen müsse. Als einen solchen Weg sieht Dr. Backhaus – wo immer möglich – die Ergänzung des bisherigen passiven Quotensystems durch aktives Bestandsmanagement. Hier könne das Projekt aus Mecklenburg-Vorpommern den Weg beim Dorsch in der westlichen Ostsee ebnen.

Auf die drastischen Vorschläge der Kommission bei der Kürzung der Heringsfangquote in der westlichen Ostsee angesprochen, machte Kommissar Borg auf die aus Sicht der Wissenschaftler dramatische Situation aufmerksam, weshalb der Hering der westlichen Ostsee mittlerweile als „vom Aussterben bedroht“ eingestuft worden sei. „Nicht Überfischung ist hier das Hauptproblem sondern die völlig unzureichende natürliche Rekrutierung des Bestandes“, so Kommissar Borg. Es würden seit geraumer Zeit viel zu wenige Larven nachgewiesen, deren guter Bestand als Basis für künftige fangfähige Heringe aber unerlässlich sei. Nach Aussage von Joe Borg vermuten Experten, dass das sehr frühe Laichgeschäft der letzten Jahre, als die Heringe regelmäßig bereits Ende Januar in den Boddengewässern Vorpommerns auftauchten, verbunden mit fehlender Futtergrundlage ursächlich gewesen sein könnte.
Der Kommissar zeigte sich aber aufgeschlossen für den deutschen Vorschlag, für den Hering der westlichen Ostsee einen mehrjährigen Bewirtschaftungsplan aufzustellen, wie es einen solchen bereits für den Dorsch gibt, und auf dieser Grundlage zu einer Anpassung der Quotenkürzung zu kommen. Hierüber soll bereits Anfang Oktober in Brüssel im so genannten Informellen Fischereirat beraten werden, bevor der Rat der Fischereiminister voraussichtlich Ende Oktober die endgültigen Entscheidungen über die Fangquoten 2009 träfe.
„Gemeinsam mit der Bundesregierung wird Mecklenburg-Vorpommern konstruktive Vorschläge für eine angepasste Bestandsbewirtschaftung unterbreiten“, sagte Minister Dr. Backhaus Kommissar Borg umfassende Unterstützung zu. Zugleich lud Dr. Backhaus den Fischereikommissar zu einem Besuch nach Mecklenburg-Vorpommern ein, damit er sich ein eigenes Bild davon machen könne, dass die Fischerei des Landes bereits weitgehend nachhaltig wirtschafte, den hiesigen Fangmöglichkeiten angepasst sei, in Verarbeitung und Veredlung investiere und auch Diversifikationsmöglichkeiten nutze. Kommissar Joe Borg nahm die Einladung dankend an und wird Mecklenburg-Vorpommern voraussichtlich im nächsten Jahr einen Besuch abstatten. Auch bei der anschließenden abendlichen Fachveranstaltung zur Fischerei, zu der die norddeutschen Länder gemeinsam ins Hanse-Office in Brüssel geladen hatten, kam es gestern zu einem sehr regen und intensiven Gedankenaustausch zwischen Politikern und Fachleuten, darunter Reinhard Priebe, Direktor in der Generaldirektion MARE, sowie die Fachminister aus Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern, Dr. Christian von Bötticher und Dr. Till Backhaus. Mit Blick auf den von der Kommission für 2011 vorgeschlagenen Health Check der Gemeinsamen Fischereipolitik müssten verstärkt neue Strategien und Instrumente für eine nachhaltige Fischerei in den Meeren und Küstengewässern der Gemeinschaft ins Auge gefasst werden, so ein wichtiger Tenor des Abends.

Hintergrund:

Quoten - Die Europäische Kommission hatte kürzlich ihre Vorschläge für die Fangquoten der wichtigsten Wirtschaftsfischarten unterbreitet, darunter auch für Dorsch und Hering in der Ostsee. Für Dorsch werden demnach gegenläufige Anregungen gegeben (plus 15 Prozent in der östlichen und minus 15 Prozent in der westlichen Ostsee). Beim Hering in der westlichen Ostsee soll dagegen eine Kürzung von 63 Prozent vorgenommen werden – eine bislang noch nie dagewesenen Dimension von einem Jahr zum anderen. Über die Vorschläge entscheiden die Fischereiminister der 27 EU-Mitgliedstaaten voraussichtlich Ende Oktober.

Dorschprojekt - Hauptbestandteil des Projekts soll die Errichtung einer Dorscherbrütungsanlage sein, um künftig jährlich bis zu vier Millionen Setzlinge von rund fünf Gramm Gewicht für den Besatz der Mecklenburger Bucht zu erzeugen. Treten die prognostizierten Zusatzerträge ein, wäre zugleich der Nachweis erbracht, dass mit der in Binnengewässern schon seit Jahrzehnten erfolgreich praktizierten Methode des Besatzes auch der Dorsch-bestand der westlichen Ostsee stabilisiert werden könne. Das Projekt soll aus Mitteln des Landes und der Europäischen Union (Europäischer Fischereifonds EFF) mit bis zu 36 Mio. Euro finanziert werden bei einer Laufzeit bis wenigstens 2015.

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